"Für ein friedliches Miteinander"
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe junge Menschen, wir sind heute vor der Stadthalle zusammengekommen, um gemeinsam für unsere Stadt Flagge zu zeigen.
In der Stadt Soest leben rund 50.000 Menschen in Frieden und gegenseitiger Achtung. Wir haben unsere Kundgebung deshalb unter das Motto „Für ein friedliches Miteinander“ in Soest gestellt.
Als weltoffene Hansestadt haben wir eine lange Tradition darin, mit Menschen aus vielen Städten und vielen Ländern gute Beziehungen zu pflegen. Vor mehr als 800 Jahren haben unsere Ahnen als Fernhandelskaufleute von einem respektvollen Umgang miteinander schon profitiert. Wir wissen deshalb schon lange, dass nur ein friedliches Miteinander das Wohlergehen aller fördert. Wir Heutigen stehen in der Tradition unserer Vorfahren – mit ganzem Bewußtsein und auch mit Stolz.
Mit den Ewig-
Für unsere Kundgebung ist ganz bewußt ein Ort abseits der Route der Rechtsradikalen gewählt worden. Aber das sollte niemand falsch verstehen.
Wir sehen nicht weg. Wir werden niemals wieder wegsehen. Wir sehen sogar ganz genau hin, was in unserer Stadt passiert.
Deshalb rufen wir den rechten Trittbrettfahrern und braunen Ideologen entgegen:
Wir wollen euch hier nicht sehen !
Wir schaffen euch keine Öffentlichkeit !
Eure Parolen lehnen wir aus Überzeugung ab.
In Soest lauft ihr ins Leere. Eure Saat geht hier nicht auf !
Toleranz und Gewaltfreiheit sind Grundlagen unserer Überzeugung für ein friedliches Miteinander der Menschen in unserer Stadt. Wir wissen das sicher. Wir halten daran fest.
Diese Überzeugung ist auch durch eine furchtbare Bluttat, die hier passiert ist und die uns alle getroffen hat, nicht zu erschüttern.
Wir trauern um den Tod eines jungen Mitmenschen. Wir fühlen mit den Angehörigen und mit allen, die im Umfeld von dieser grausamen Tat betroffen sind. Wir haben auch Vertrauen in die Menschen, die jetzt bei den zuständigen Stellen das furchtbare Geschehen untersuchen und verfolgen. Wir haben Vertrauen in das Funktionieren unseres demokratischen Rechtsstaates. Wir brauchen von keiner Seite, schon gar nicht von den braunen Ideologen, Belehrungen in Sachen Rechtsstaat. Davon versteht ihr gar nichts !
Wir Soester fragen uns: Können wir noch mehr tun, dieses friedliche Miteinander in unserer Stadt zu fördern ? Jeder einzelne kann dazu tagtäglich beitragen. Lassen Sie uns gegenseitig einander versichern: Wir hören uns zu. Wir greifen jede praktikable Idee auf, die dem friedlichen Miteinander in Soest dienlich ist. Schaffen wir Gelegenheiten, Orte, Zeiten, wo dies möglich ist !
Den jungen Menschen, die heute hier sind, muß ich bekennen: Wir Erwachsenen wissen nicht an sich und selbstverständlich auch nicht immer, was richtig ist. Wir sind – wie ihr jungen Leute – ein Leben lang auch Suchende. Ihr jungen Menschen, Töchter, Söhne, Enkel, könnt und müßt eure Ideen zu einem friedlichen Miteinander einbringen. Wir Erwachsenen müssen euch dabei zuhören. So wie wir heute vereint zusammenstehen vor der Stadthalle, müssen wir auch im Alltag zusammenstehen. Unser Soest ist eine Stadt, in der alle Einwohnerinnen und Einwohner solidarisch sind. Die Achtung, der Respekt vor dem anderen ist Teil unserer Grundüberzeugung. Dies ist der entscheidende Schlüssel für ein friedliches Miteinander.
Und übrigens: Friedliebende Gäste sind jederzeit willkommen. Wir sind eine lebendige, offene Stadt. Einheimische als auch Gäste sollen und können sich hier wohlfühlen.
Ich bin Ihnen allen, die sich hier aus gegebenem Anlaß versammelt haben, dankbar für Ihr Kommen. Ich bin dankbar für Ihr Bekenntnis zu einer Stadt der Toleranz und Gewaltlosigkeit. Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich bitte Sie um einen Moment der Stille und des Nachdenkens !